Seit drei Jahren bin ich in der Gemeinde Herz Mariä in Bochum-Wattenscheid-Günnigfeld (Pfarrei St. Gertrud) als Pastor tätig. Schnell wurde mir klar, dass hier besonders unser caritativer Dienst als Kirche gefragt sein würde. Erste Gespräche mit unserer Evangelischen Nachbargemeinde bestätigten meinen Eindruck. Soziologische Gewissheit bekamen Presbyterium und Gemeinderat, als wir uns die Sinusdaten für unseren Stadtteil erläutern ließen und darüber diskutierten.

Schon hier kam der Gedanke einer Tafel bzw. eines Mittagstisches für „Bedürftige“ auf. Den letzten Anstoß gab die Sozialraumkonferenz Günnigfeld, einer Iniative der Stadt Bochum. Hier sind sowohl die Gemeinden als auch die Caritas, die Diakonie, das Jugendamt, die „Helfenden Hände“, u.a. Institutionen an einem Tisch versammelt. Von daher sind wir gut vernetzt.

Es wurde der Beschluss gefasst, einen Familientisch im evangelischen „Wichernhaus“ anzubieten. Von der Idee bis zur Umsetzung dauerte es dann nur noch wenige Monate. Die Zeit war reif („kairos“), viele Menschen guten Willens wollten die Ärmel aufkrempeln und sich engagieren. Die Lebenmittel wurden uns von der Wattenscheider Tafel e.V. zur Verfügung gestellt. Einrichtungen und Privatpersonen unterstützen uns teilweise großzügig mit finanziellen Mitteln. Das erste Gericht kam am 19. April 2012, ein Kartoffel-Möhren-Eintopf, auf den Tisch. Gut 20 Personen freuten sich, nahmen in der Bauernstube Platz und aßen gemeinsam. Zur Feier des ersten Geburtstags kamen ca. 50 Personen.

Uns ist es wichtig, „Bedürftigkeit“ weit zu fassen: Z.Zt. kommen junge und alte Leute, Menschen mit Migrationshintergrund, Kinder, die gerade von der Schule kommen (sie befindet sich nebenan), Alleinstehende und sozial Benachteiligte zu uns. Sie alle können kostenlos eine Mahlzeit u. mehr bekommen. Freiwillige Spenden werden natürlich gerne angenommen.

Wir sind froh und glücklich, dass dieses Projekt zustand kam; dank unserer guten ökumenischen Zusammenarbeit und den ca. 20 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die viele Stunden ihrer Freizeit für die gute Sache opfern. Schon jetzt zeigt sich, dass unser Familientisch für Menschen ein Stück Heimat geworden, also deutlich mehr als eine „Suppenküche“ ist. Zwanglos kann man mit Menschen in Kontakt treten, Probleme besprechen und Hilfen anbieten.

Mein evangelischer Kollege Christian Meier sagte mir einmal: „Auf dieser Arbeit liegt Gottes Segen“. Dem brauche ich nichts mehr hinzuzufügen.

Elmar Linzner, Pastor

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